STAGE BREGENZ/contemporary fair / art / design
20.-23. März 2025

Sektionen

Für die 1. Ausgabe von STAGE haben die Kuratorinnen Fiammetta Griccioli und Elise Lammer je eine Sektion mit Einzelpräsentationen, Verena Kasper-Eisert eine spezielle Fotoausstellung und Matylda Krzykowski ein Programm unter dem Namen STAGE Treff zusammengestellt. Eingangsbereich und Foyer wurden von Krzykowski zudem mit Inventar aus dem Festspielhaus räumlich inszeniert: Ballettspiegel, Schminktische und Scheinwerfer.

 

Sektion: INTERPLAY
Kuratorin: Elise Lammer

Galerie Krinzinger, AT (Andreas Werner)
OFFICE IMPART, DE (Hannah Sophie Dunkelberg)
Zeller van Almsick, AT (Bianca Phos)
Kirchgasse Gallery, CH (Cédric Eisenring)
Windhager von Kaenel, CH (Niels Trannois)
Efremidis, DE (Aura Rosenberg)
Castiglioni Fine Arts, IT (Giulio Bonfante)
Galleria Doris Ghetta, IT (Sophie Hirsch)
Galerie am Lindenplatz, LI (Martina Morger)

Es gibt etwas Beunruhigendes und gleichzeitig Zutiefst Befriedigendes an der Möglichkeit, sich außerhalb der Vorstellungszeiten heimlich in ein Opernhaus zu schleichen. Das Hinauf- und Hinabgehen der Ränge auf der Hauptbühne, das Verweilen in den vielen Hinterbühnenräumen und das Herumstreifen durch die Gänge können ein Gefühl der Überschreitung und Freiheit erzeugen, das die Besuchenden während des Aufenthalts begleitet. In einem Gebäude, das darauf ausgelegt ist, zu sehen und gesehen zu werden, strahlt jede Ecke Theatralik aus. Diese einzigartige Eigenschaft war entscheidend bei der Konzeption einer Sektion, die dem Konzept der Performativität in der Kunst gewidmet ist. Der Bereich befindet sich im See Salon des Bregenzer Festspielhauses, bietet einen Blick auf den Bodensee und die berühmte temporäre Seebühne. Mit dem Titel INTERPLAY legt die Sektion nahe, dass die ausgestellten Kunstwerke, wenn sie inszeniert werden, durch ihre Interaktion mit einem Publikum erweitert werden. Kontextualisiert in einem Opernhaus, wird eine solche Funktion zwangsläufig verstärkt, wenn nicht sogar vollständig inszeniert. In INTERPLAY haben die eingeladenen Galerien gemeinsam, dass sie Künstler:innen präsentieren, deren Praktiken die relationalen Begegnungen integriert haben, in die ihre Arbeit eingebettet ist. Es handelt sich dabei um eine Performativität, die nicht unbedingt mit Aufführung oder Theatralik zu tun hat, sondern stattdessen mit dem Wechselspiel von Reaktionen — mit Zeit, Raum und Körpern — die mit dem Herstellen oder Ausstellen verbunden sind. INTERPLAY präsentiert eine Vielzahl erweiterter, medienübergreifender Praktiken, die Skulptur, Malerei, Zeichnung und Fotografie einbeziehen. Letztendlich feiert INTERPLAY die grenzenlose Souveränität der Kunst, wenn sie durch die Einzigartigkeit der Wahrnehmung in die Vielfalt der Erfahrungen betrachtet wird, in der jede:r Betrachter:in entscheidet, welche Art von Empfänger:in er/sie sein möchte.

 

Sektion: Influx and efflux
Kuratorin: Fiammetta Griccioli

Im Mittelpunkt von "Influx and efflux" stehen sieben monografische Präsentationen, die eine Gruppe von Künstler*inen aus verschiedenen Generationen und geografischen Regionen vorstellen, deren Arbeiten auf Wandlungsfähigkeit, Transformation und Metamorphose beruhen. Die ausgewählten Künstler*innen haben einen gemeinsamen Ansatz, indem sie die Schwelle zwischen zweidimensionalen und dreidimensionalen Bereichen herausfordern und das, was gemeinhin als Malerei, Skulptur und Installation definiert wird, erweitern. Auf unterschiedliche Art und Weise hinterfragen sie in ihren interdisziplinären Arbeiten Konzepte wie Technologie und Natur und regen zum Nachdenken über die drängendsten Fragen der heutigen Gesellschaft an.

Jedes Projekt, das auf der Bühne des Festspielhauses in einem offenen architektonischen Display ausgestellt wird, wird im Gespräch mit dem/der Künstler*in realisiert und bietet eine Synopse ihrer unkonventionellen Poetik. Es entsteht ein stiller Dialog zwischen historischeren Positionen und etablierten Künstlern sowie einer jüngeren Generation, der Austausch und Verbindungen zwischen den Werken schafft. 

Das Werk von Laura Grisi (1929-2017) und Constantin Flondor (geb. 1936), die als Pioniere erforscht haben, wie Technologien unsere Wahrnehmung beeinflussen, schwingt in der postkonzeptionellen Praxis von Vadim Fishkin (1965) mit, der sich ironisch mit Wissenschaft und Technologie auseinandersetzt. Judith Fegerl (*1977, Wien), die von zeitbasierten Transformationsprozessen fasziniert ist, erweitert die Skulptur durch den Einsatz unsichtbarer Kräfte wie Elektrizität. Die Künstlerinnen Anna Hulačová (*1984, Sušice, Tschechische Republik), Jasmine Gregory (*1987, Washington D.C.) und Iman Issa (*1979, Kairo) beschäftigen sich mit einem bildhauerischen Lexikon, das in der Spannung zwischen Figuration und Abstraktion verharrt und die Begriffe der westlichen Geschichte und Ikonografie erforscht.

 

SEE
Lukas Birk, Katharina Fitz, Arno Gisinger, Mathias Kessler, Claudia Larcher, David Murray, Anna und Maria Ritsch
Kuratorin: Verena Kaspar-Eisert

Kunst ermöglicht Identifikation und Reflexion, fördert Integration und Teilhabe, Bewusstseinsbildung und Transformation. Sie feiert das Schöne genauso wie das Hässliche, sie verführt zum Fantasieren und entlarvt Täuschungen. Kunst reflektiert und hinterfragt die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Kunst ist Ausdruck und Projektionsfläche von Individualität und Gemeinschaft.

Bewahren, Erhalten, Erweitern, Erforschen und Vermitteln sind Kernaufgaben einer öffentlichen musealen Sammlung. Eine Sammlung prägt das kulturelle (Selbst-)Verständnis und spiegelt den Stellenwert von Kunst in einer Gesellschaft wider. 

Auf Einladung der STAGE Bregenz und der Organisation Bildrecht wählte die gebürtige Vorarlbergerin Verena Kaspar-Eisert, Kunsthistorikerin und Chefkuratorin des MuseumsQuartiers Wien, Werke aus der Sammlung des Landes Vorarlberg aus. Der Fokus lag dabei auf Foto- und Videoarbeiten aus jüngeren Ankäufen*. Die künstlerische Vielfalt der Region zeigt sich in der Sammlung wie auch in der Diversität der ausgewählten Werke: Wenngleich die Künstler*innen alle mit lens-based media arbeiten, verfolgen sie doch sehr unterschiedliche formale und inhaltliche Ansätze.

Der Titel der Ausstellung SEE ist eine Anspielung auf den Bodensee, der direkt an das Festspielhaus angrenzt und die Natur und Kultur der Region prägt. SEE bezieht sich aber auch auf das englische Wort für „sehen“. 

Es gibt verschiedene Arten des Sehens. Man kann etwas aus dem Augenwinkel wahrnehmen, Schemen oder Silhouetten ausmachen, durch etwas hindurchsehen, einen Blick erhaschen. Man kann die eigene Sichtweise hinterfragen, analysierend betrachten, etwas anstarren, den Blick auf etwas ruhen lassen. Das „sehende Sehen“ (Max Imdahl) meint eine unvoreingenommene, auf die genaue Betrachtung des Kunstwerks fokussierende Herangehensweise im Gegensatz zum wiedererkennenden Sehen, bei dem auf vorgefasste Konzepte zurückgegriffen wird. Diese aufmerksame Art des Sehens will diese kleine, konzentrierte Ausstellung durch die Art der Präsentation begünstigen: Die Hängung auf separaten Holzelementen lässt den einzelnen Werken viel Raum und unterstreicht damit Individualität und Eigenständigkeit der künstlerischen Positionen. 

Im eindrucksvollen Propter-Homines-Saal gibt SEE einen kleinen Einblick in die Sammlungstätigkeit des Landes, stellt acht Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler mit Einzelwerken vor und lädt zum Verweilen und zum Sehen ein.

*Kunstankäufe des Landes Vorarlberg: 2016–2018 durch Claudia Voit und Peter Niedermair, 2019–2021 durch Herta Pümpel und Erhard Witzel

 

STAGE TREFF:
Ein Programm mit informellen Gesprächen mit dem Fokus auf nachhaltige Beziehungen, Praktiken und Umwelt
Kuratorin: Matylda Krzykowski

Es gibt eine Geschichte, die ich liebe und die mich alles gelehrt hat, was ich über die Kunst weiß. Es ist eigentlich eine Geschichte über Menschen. Und das ist es, was ich sowohl in vollen Zügen genieße, als auch der Ursprung vieler Fragen ist, die mir durch den Kopf gehen:

Warum müssen wir mutiger sein? Wieso brauchen wir sowohl Freiheit als auch Zwänge? Wie ist mein Verhältnis zu Kunst und Design? Warum ist die Anziehungskraft von Kunst, Design und Architektur so wichtig? Wie können wir Kunst, Design und Architektur in die Gesellschaft integrieren? Wie können wir die Grenzen zwischen unseren Disziplinen verwischen? Warum liegt die Innovation gerade in der Ästhetik unserer Kultur? Wie lässt sich das Potenzial einer Region global einbringen? Welche unterschiedlichen Modelle gibt es, um als Künstler:innen, Designer:innen und Architekt:innen tätig zu sein? Was ist die Rolle von Kunst und Design und ihr emanzipatorisches und progressives Potenzial? Welche Voraussetzungen braucht eine Praxis? Wie können wir als Institutionen und als Öffentlichkeit dazu beitragen? Wie reagiert der/die Künstler:in auf Nachhaltigkeit? Was bedeutet eine nachhaltige Messe? 
Ist sie erstrebenswert?

Es gibt also einen Raum voller Menschen, und sie alle sollten ihre Geschichten erzählen, um Teil der Geschichte zu werden. Es ist eine systematische Untersuchung einer Angelegenheit von öffentlichem Interesse. Menschen, die mit diesen Fragen und Ansätzen bisher nicht in Berührung gekommen sind, könnten einen Weg finden, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Es ist eine Geschichte, bei der wir einfach "Auf die Bühne, fertig, los!" sagen müssen. Es könnte sich alles in ein Theater verwandeln, aber wir müssen die Bühne für Begegnungen öffnen, damit Gespräche entstehen. Wenn man mit anderen Menschen zusammen ist, muss man den anderen zuhören, sich einfühlen und die eigene Perspektive anpassen. Das ist ein Weg, um Kunst, Design und Architektur zu erhalten. Die Geschichte, die ich liebe, ist ein ständiger Dialog.

 

Verena Kasper-Eisert, Fiammetta Griccioli, Matylda Krzykowski und Elise Lammer 
Foto: Magdalena Türtscher

  • Foto: Magdalena Türtscher

Foto: Magdalena Türtscher